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Begünstigung von Handwerkerleistungen außerhalb des Haushalts?

Für Handwerkerleistungen wegen Renovierung, Instandhaltung oder Modernisierung im Haushalt des Steuerpflichtigen wird eine Steuerermäßigung von 20 % auf den in der Rechnung ausgewiesenen Arbeitskostenanteil gewährt, höchstens aber 1.200 €. Dieser Ermäßigungsbetrag wird unmittelbar von der Steuer abgezogen, ist also unabhängig vom persönlichen Einkommensteuersatz. Die aktuelle Rechtsprechung dreht sich insbesondere um die Frage des räumlichen Zusammenhangs mit dem Haushalt des Steuerpflichtigen.

So hat das Finanzgericht Berlin-Brandenburg entscheiden, dass die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen im Haushalt des Steuerpflichtigen auch dann gewährt wird, wenn eine Reparatur nicht im Haushalt des Steuerpflichtigen erfolgt, sondern der Haushaltsgegenstand vom Handwerker mitgenommen und in seiner Werkstatt repariert wird (Urteil vom 27.7.2017, Az. 12 K 12040/17). Im konkreten Fall ließ die Klägerin ihr Hoftor durch einen Tischler reparieren. Der Tischler hatte das Hoftor ausgebaut, in seiner Werkstatt repariert und anschließend wieder im Hof der Klägerin eingebaut. Das Finanzgericht interpretiert den Begriff des Haushalts räumlich-funktional. Daher gehört auch das gesamte Grundstück wie z. B. der Garten oder der Hof dazu. Damit ist die Reparatur eines Hoftores grundsätzlich begünstigt. Unschädlich ist außerdem, dass die Reparatur nicht auf dem Grundstück der Klägerin erfolgt ist, sondern in der Werkstatt des Tischlers durchgeführt worden ist. Denn es genügt, dass der Leistungserfolg in der Wohnung bzw. auf dem Grundstück des Steuerpflichtigen eintritt. Daher darf der defekte Gegenstand vom Handwerker mitgenommen und repariert werden. Gegen das Urteil hat das Finanzamt Revision vor dem Bundesfinanzhof eingelegt (Az. VI R 4/18).

Das Finanzgericht München hat allerdings in einem ähnlich gelagerten Fall dem Finanzamt Recht gegeben (Urteil vom 18.4.2018, Az. 13 K 1736/17). Im entschiedenen Fall ging es um die Reparatur eines Zauns, die ebenfalls in der Werkstatt des Handwerkers erfolgte. Nach Ansicht der Münchener Finanzrichter ist es nicht ausreichend, wenn der angefertige Gegenstand lediglich im Haushalt verwendet wird, sondern es muss auch die eigentliche Handwerkerleistung im Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden. Es bleibt daher abzuwarten, wie der Bundesfinanzhof die Frage entscheidet. Bis dahin sollten betroffene Steuerbescheide offen gehalten werden.

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