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Zwischenvermietung unschädlich für Steuerfreiheit

Von der Besteuerung der privaten Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG ausgenommen sind insbesondere Grundstücke, die im Zeitraum zwischen Anschaffung oder Fertigstellung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken oder im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden.

Der Bundesfinanzhof hat nun entschieden, dass es für die Anwendung der Ausnahmevorschrift unschädlich ist, wenn eine Wohnimmobilie im Jahr der Veräußerung kurzzeitig vermietet wurde. Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist lediglich, dass der Steuerpflichtige das Immobilienobjekt - zusammenhängend - im Veräußerungsjahr zumindest an einem Tag, im Vorjahr durchgehend sowie im zweiten Jahr vor der Veräußerung zumindest einen Tag lang zu eigenen Wohnzwecken genutzt hat (BFH, Urteil v. 3.9.2019 - IX R 10/19, veröffentlicht am 7.11.2019).

Im entschiedenen Fall hatte der Steuerpflichtige im Jahr 2006 eine Eigentumswohnung erworben und diese bis April 2014 durchgehend selbst genutzt. Von Mai 2014 bis Dezember 2014 vermietete er die Wohnung an Dritte. Mit notariellem Vertrag vom 17.12.2014 verkaufte er die Wohnung. Das zuständige Finanzamt ermittelte daraufhin einen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn.

Sowohl das Finanzgericht als auch der Bundesfinanzhof im Revisionsverfahren gaben jedoch der Klage des Steuerpflichtigen statt und entschieden, dass keine steuerbaren Einkünfte aus der Veräußerung der Wohnung vorliegen. Ausreichend für die Anwendung der Ausnahmevorschrift ist eine zusammenhängende Nutzung von einem Jahr und zwei Tagen. Wobei sich die Nutzung zu eigenen Wohnzwecken auf das gesamte mittlere Kalenderjahr erstrecken muss, während die eigene Wohnnutzung im zweiten Jahr vor der Veräußerung und im Veräußerungsjahr nur jeweils einen Tag zu umfassen braucht. Die Zwischenvermietung vor der Veräußerung der Wohnung ist für die Anwendung der Ausnahmevorschrift somit unschädlich und führt nicht zu einer Steuerpflicht des Veräußerungsgewinns.

 

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